Christina Haacke liest „Mein Weg ist mein Weg“
Darum geht’s:
Der/die Wandernde ist ein junger Mensch, den wir kennenlernen, als er gerade Abschied von einem sehr geliebten Menschen genommen hat. Wir treffen ihn auf dem Friedhof an, kurz nach der Beerdigung und die Einsamkeit und die Verzweiflung ist riesengroß. Denn entweder wissen die Menschen nicht, was sie sagen sollen und wenden sich verlegen ab oder sie lächeln aufgesetzt munter und versichern, dass alles bald wieder gut wird. Aber wie soll alles wieder gut werden, wenn die einzige Person, die einen versteht, nicht mehr da ist und nie wieder da sein wird?
So packt also der/die Wandernde einen Rucksack und macht sich auf den Weg. Nur noch nach vorn blicken, lautet die Devise, auch wenn das Ziel völlig ungewiss ist.
Darum lesenswert:
Als ich dieses Buch das erste Mal in den Händen gehalten habe, da hat mein Herz tatsächlich ein wenig schneller geschlagen. „Mein Weg ist mein Weg“ ist nämlich ein Buch von Jugendlichen für Jugendliche. Die Mitglieder einer Trauergruppe des Hospizvereins Bamberg e.V. haben die Idee dazu entwickelt und mit Hilfe ihrer Leiterin Marlene Groh, der Autorin Heike Eva Schmidt und der Illustratorin Elke Völkl eine Geschichte aufgeschrieben, die das ausdrückt, wofür wir so oft keine Worte haben. Emotionen wie Traurigkeit, Verzweiflung oder auch Liebe werden zu Gestalten in dieser Geschichte, verwandeln sich zu Frau Einsam, Herr Wut oder auch Dackel Humorus, aber auch Herr Vergangenheit, die Stille und Frau Glück finden einen Platz in dem Buch. Der junge Mensch, den wir in seiner Trauer begleiten, trifft auf seinem Weg diese ganzen Wesen und setzt sich mit ihnen auseinander – bis am Ende dann doch wieder so etwas wie Hoffnung aufkeimt.
Mein Fazit: Mich hat die Geschichte sehr berührt, denn die Tatsache, dass sie von Kindern und Jugendlichen erdacht und erarbeitet wurde, ist unglaublich beeindruckend. Jeder, der schon mal durch einen Prozess des Trauerns gegangen ist, weiß wie anstrengend und aufreibend das ist. Am Ende die Kraft und die Stärke zu finden, daraus eine Geschichte zu machen, um anderen Jugendlichen zu helfen, denen es ähnlich geht, ist unglaublich bewundernswert. Ich würde jedem Einzelnen und jeder Einzelner gern zurufen, wie stark er oder sie ist und wie toll ich ihn oder sie finde!
„Mein Weg ist mein Weg“ ist daher so viel mehr als ein Buch über das Trauern. Es fühlt sich an wie ein Geschenk aus der Tiefe des Herzens. Und ist dazu noch ein Beweis dafür, dass aus schlimmen Situationen am Ende immer doch noch etwas Gutes entstehen kann.
Kurzcheck: „Mein Weg ist mein Weg – ein Trauerbuch für Jugendliche von Jugendlichen“
Bester Moment im Buch:
„Ganz obenedrauf liegt der kleine Kuchen von Frau Glück. Ich betrachte ihn lange, dann stelle ich ihn auf den Tisch. Vielleicht ist morgen der Tag, um in ihn hineinzubeißen. Vielleicht aber auch erst übermorgen oder im nächsten Monat. Aber irgendwann wird die Zeit kommen, um wieder glücklich zu sein – jedenfalls ein bisschen.“
KuL-Lesenswert-Sterne: 5 von 5
Autorinnen: Jugendtrauergruppe Bamberg unter Leitung von Marlene Groh, Heike Eva Schmidt
Illustratorin: Elke Völkl
Verlag: Selbstverlag
Für wen: Für Jugendliche
Format: Gebundenes Buch, Hochformat
Preis: 16,00 Euro